8 Jun 2010

Mitgemischt: Facebook

Posted by René

Nachdem ich in den letzten Wochen und Monaten von allen Seiten mit Kritik zu den neuen Datenschutzbestimmungen von Facebook zugemüllt wurde, möchte ich auch einmal meinen Senf dazu geben. Die zwei zentralen Kritikpunkte waren und sind:

  • Facebook wolle bestimmte Informationen von seinen Nutzern automatisch mit einem ausgewählten Kreis von Partnerunternehmen teilen. Diese Informationen würdem mit den Partnerunternehmen geteilt, ohne vorher die Erlaubnis der Nutzer einzuholen.
  • Neu registrierten Nutzern auf Facebook würden standardmäßig relativ offene Privatsphäre-Einstellungen voreingestellt. Die Nutzer hätten zwar im Nachhinein die Möglichkeit, diese Einstellungen den eigenen Wünschen anzupassen, aber zum einen sei dies zu kompliziert und zum anderen habe Facebook die Verpflichtung, die Nutzer vor ihrem eigenen zu sorglosen Umgang mit sensiblen Daten besser zu schützen.

Nun zu meiner Meinung zu diesen Kritikpunkten:

Wir müssen realistisch sein. Facebook ist ein Unternehmen und als Teil des ökonomischen Systems dazu verdammt, dem sinnlosen Ziel der Gewinnmaximierung nachzustreben. Es ist selbstverständlich, dass ein solches Unternehmen versucht, das möglichst Beste aus seinen Gütern herauszuholen. Und das Gut von Facebook ist nun einmal die Information. Facebook würde sich selbst ins Fleisch schneiden (und bei den Kosten, die Facebook verursacht, sicherlich auch in den Ruin treiben), wenn es sich neue Werbemöglichkeiten damit verdürbe, indem es diese Werbemöglichkeit standardmäßig bei allen Nutzern deaktiviert. Die Werbung auf einer Seite zu deaktivieren, wenn man als Benutzer dazu die Möglichkeit hat, ist eine Sache. Die standardmäßig deaktivierte Werbung freiwillig zu aktivieren, wenn man doch eigentlich keinen Finger rühren müsste – dass das jemand macht, ist schlichtweg unrealistisch.

Und dass Facebook ein eben solches ökonomisch denkendes Unternehmen ist, ist im Endeffekt doch von Vorteil für die Nutzer. Man stelle sich mal ein Facebook auf Basis ehrenamtlich arbeitender Studenten vor. Wer kein Geld für das verdient, was er arbeitet, der kann noch so sehr mit dem Herzen bei der Sache sein: Irgendwann würden andere Dinge vorgehen, die einem Geld einbringen. Und dann würde Facebook früher oder später leiden, an wenig Innovationen, zu wenig Zeit für die Beseitigung von Fehlern, zu wenig Berücksichtigung von Nutzerwünschen, zu wenig Ressourcen um dem Besucheransturm gerecht zu werden. Selbst durch noch so großzügige Spenden noch so vieler Nutzer würde eine solche Seite relativ schnell wieder uninteressant werden und von der Bildfläche verschwinden. Ein gigantisches Netzwerk mit 400 Millionen nutzern, auf dem jeder die meisten seiner Freunde finden könnte, hätte so niemals entstehen können. Und alle Innovation, die Facebook zurzeit unternimmt, um das Internet zu erobern, ist letzten Endes doch attraktiv für die Nutzer, denn: Sozial ist genial.

Wem es nicht passt, das Facebook gewisse Daten standardmäßig öffentlich anzeigt bzw. an seine Partner weitergibt, der hat eben jederzeit die Möglichkeit, seine Privatsphäre-Einstellungen entsprechend anzupassen. Denjenigen, die schreien, dass Facebook mehr Verantwortung gegenüber der Naivität seiner Nutzer tragen muss, kann ich nur mit Kopfschütteln begegnen. Privatsphäre-Einstellungen hin oder her: Es sollte selbstverständlich sein, dass man eine gewisse Zurückhaltung zeigt, bei den Informationen, die man an Facebook weitergibt. Jemand, der Facebook wie dem besten Freund einfach alles erzählt, ist genauso selbst Schuld, wie jemand, der seinem Berater bei der Bank das gleiche Vertrauen entgegenbringt, wie seinem Psychiater.

Ich habe neulich einen Artikel gelesen, indem ein Chatgespräch von Mark Zuckerberg zitiert wurde, in welchem er bzgl. der ersten 1000 Mitglieder auf Facebook als Student gesagt haben soll: They “trust me”. Dumb fucks. – Zuerst musste auch ich dabei stutzen. Aber seien wir mal ehrlich: Selbst ich hätte sowas in der Art gesagt, wenn mir als Student hunderte oder gar tausende Menschen bereitwillig ihre Kontaktdaten zur Verfügung gestellt hätten. Jeder der mich kennt weiß aber: Ich würde niemals Unfug mit solchen Informationen treiben. Aber das Gute ist: Facebook ist mittlerweile ein Unternehmen geworden, das unter strenger Beobachtung steht. Es könnte sich nicht leisten, mit den Daten seiner Nutzer anders umzugehen, als in seinen AGB beschrieben. Und Facebook bietet eben die Möglichkeit, ziemlich genau festzulegen, welche Daten wem zur Verfügung gestellt werden, und welche bzw. wem nicht.

Und die Kritik, dass es zu kompliziert sei, seine Privatsphäre-Einstellungen zu ändern, kann ich bei bestem Willen nicht nachvollziehen. Durch die letzten Neuerungen in den Privatsphäre-Einstellungen ist es noch übersichtlicher geworden, welche Informationen mit wem geteilt werden. Doch auch schon zuvor war es für mein Dafürhalten verständlich genug. Klar, es war nicht mit einem Klick erledigt und man musste es sich schon wenigstens ein Mal genauer anschauen. Aber das ist doch auch logisch: Wer seine Privatsphäre-Einstellungen auf höchster Detailebene (sogar heruntergebrochen auf jeden einzelnen Beitrag) kontrollieren will, der muss eine entsprechende Komplexität in Kauf nehmen. Und ich bin wirklich dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, so genau festzulegen, wer was sehen darf, und wer nicht. Facebook hat diese Möglichkeit schon so einfach wie möglich gestaltet und ich kann nur sagen: Es hat einen guten Job gemacht. An Intuitivität steht es nur noch dem iZeug von Apple nach.

Kurzum: Ich entscheide selbst und freiwillig, welche Informationen ich von mir auf Facebook preisgebe. Facebook einen Vorwurf zu machen, dass es nicht verantwortungsvoll genug damit umginge, halte ich für falsch. Ich habe alle Möglichkeiten zum Schutz meiner Privatsphäre auf Facebook – nur ich muss eben was dafür tun. Und das ist auch gut so, wir wollen ja schließlich keine verdummte Gesellschaft, in der sich niemand mehr auch nur darum kümmern muss, wem er was selbst sagt.

Übrigens, wer es noch nicht mitbekommen hat, ich habe Facebook nun in meinen Blog integriert: Ihr könnt euch nun einfach mit euren Facebook Accounts am Blog anmelden und damit Kommentare hinterlassen, oder mir und anderen über den “Gefällt mir”-Button mitteilen, wenn euch ein Eintrag gefällt. Ich freue mich darüber. Und wem das ein zu starker Eingriff in die Privatsphäre ist, dem kann ich nur sagen: Trau dich an die Privatsphäre-Einstellungen von Facebook heran und verhindere, dass irgend jemand etwas mitbekommt, was du nicht willst. Es ist eigentlich ganz leicht. ;)

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